„Together & Proud“ in Wien

„Together & Proud“ in Wien

Von Lotte Blumenberg

Bereits seit 1992 findet die EuroPride jeden Sommer in einer anderen europäischen Großstadt statt. Über mehrere Wochen gibt es verschiedenste Events um die Rechte von LGBTIQ-Personen* in Europa zu thematisieren und Bewusstsein für ihre Situation zu schaffen. Gastgeberinnen der vergangenen Jahre waren unter anderem die Städte Stockholm und Göteborg, Madrid, Amsterdam, Riga. Unter dem Motto „Together & Proud“ hatte dieses Jahr Wien die Ehre und bot für zwei Wochen ein buntgemischtes und diverses Programm, welches mit der großen EuroPride Parade am 15. Juni seinen Höhepunkt fand.

Im Programm fanden sich neben Workshops, Konzerten, dem EuroPride Run und einem EuroPride Village auf dem Rathausplatz auch eine dreitägige englischsprachige Konferenz mit verschiedensten Vorträgen und Panels zu Themen wie „Proud at Work?“, „Pride as an Economic Factor“ und „Cities as Partners of the LGBTIQ Movement“. Der Schwerpunkt des zweiten Konferenztages am 13. Juni waren „LGBTIQ & Human Rights“. Zur Eröffnung des ersten Panels „Situation of LGBTIQ rights in Europe“ zog Katrin Hugendubel von ILGA Europe (International Lesbian, Gay, Bisexual, Trans and Intersex Association) eine erste Bilanz zur menschenrechtlichen Situation in Europa. Die rechtliche und gesellschaftliche Lage für LGBTIQ-Personen habe sich einerseits in einigen Ländern verschlechtert oder stagniere, zum Beispiel in Polen und Bulgarien. Andererseits betont sie, „more and more people are coming together, more and more governments, more and more businesses celebrate openness, love and diversity”. Hugendubel stellt eine generelle Stärkung der politischen Kräfte fest, die Minderheitenrechte beschneiden und bekämpfen und betont, man dürfe diesen Kräften nicht erlauben, die Zeit zurückzudrehen, sondern müsse gemeinsam dagegenstehen.

Helmut Graupner von der European Commission on Sexual Orientation Law erinnerte auf dem Panel an die Situation von LGBTIQ-Personen in Europa im Jahr 1979. Damals sei beispielsweise in Irland Homosexualität noch unter Androhung einer lebenslangen Haftstrafe verboten gewesen. Seitdem habe sich die rechtliche Lage in vielen, besonders westeuropäischen, EU-Ländern stark verbessert. Als Beispiel nennt er die gleichgeschlechtliche Ehe, die mittlerweile in vielen EU-Staaten erlaubt ist. Graupner betont daher, dass die Bewegung für LGBTIQ-Rechte natürlich vor großen Herausforderungen stehe, gleichzeitig sei die Bewegung aber eine der erfolgreichsten in der gesamten europäischen Geschichte. In Bezug auf diese großen Herausforderungen betont auch Dan Christian Ghattas von OII Europe (Organisation Intersex International), dass besonders Intersexuelle Menschen noch immer starke Diskriminierung in allen Lebensbereichen erfahren und ihre Sichtbarkeit in der Gesellschaft gestärkt werden müsse.

Auch die Arbeit des Europäischen Parlaments im Bereich LGBTIQ-Rechte wurde auf dem Panel thematisiert. Hugendubel berichtete von der Arbeit von ILGA Europe: Im Rahmen der Kampagne „Come Out“ hätten bereits ein Viertel aller Abgeordneten des neuen Europäischen Parlaments zugesagt, sich in ihrer politischen Arbeit für LGBTIQ-Rechte einzusetzen. Graupner betonte, dass es wichtig sei, die Mitgliedsstaaten auch abseits von Wahlen an ihre Versprechen zu erinnern, da diese oftmals schnell in Vergessenheit geraten. Abschließend appellierte Hugendubel, dass der Schlüssel zum Erfolg der LGBTIQ-Bewegung ein Puzzle aus mehreren Teilen sei. So sei eine weitere Stärkung des gesellschaftlichen und politischen Bewusstseins für LGBTIQ-Rechte unbedingt notwendig. Ebenso wichtig und nicht ersetzbar sei jedoch die rechtliche Seite: Gesetze die Minderheiten schützen und ihnen dieselben Rechte wie allen anderen Menschen gewährleisten.

*Die Abkürzung LGBTIQ kommt aus dem Englischen und steht für Lesbian, Gay, Bisexual, Trans, Intersex, Queer.

 

Weitere Informationen:

Koordiniert wird die EuroPride Vienna durch die Homosexuelle Initiative Wien (HOSI). Für die Umsetzung der EuroPride Vienna 2019 wurde das gemeinnützige Unternehmen Stonewall GmbH gegründet. Alle Informationen unter: https://europride2019.at/de/

ILGA Europe: https://www.ilga-europe.org/

European Commission on Sexual Orientation Law: https://www.sexualorientationlaw.eu/

OII Europe: https://oiieurope.org/

Kampagne “Come Out” von ILGA Europe: https://www.comeout.eu/

[Foto: Dominik Steinmair]