Über die politische Abhängigkeit scheinbar „unabhängiger Alternativmedien“

Über die politische Abhängigkeit scheinbar „unabhängiger Alternativmedien“

Von Valentine Auer

Wochenblick. Info-DIREKT. alles roger? Drei Beispiele aus Österreich, die sich selbst als „Alternativmedien“ wahrnehmen, die sich vom sogenannten „Mainstream“ abgrenzen, und die „Wahrheit“ aufdecken wollen, indem sie ihren Leser*innen eine objektive Berichterstattung versprechen. Dass diese Objektivität aufgrund personellen und inhaltlichen Überschneidung mit der Regierungspartei FPÖ und mit anderen rechtspopulistischen bis rechtsextremen Kräften nur schwer gegeben sein kann, zeigt die aktuelle Studie der Historikerin Kathrin Quatember „Paralleldimension: ‚Alternativmedien‘ in OÖ“. Im Auftrag der Kulturplattform Oberösterreich analysierte Quatember von September 2017 bis Ende Februar 2018 diese drei Medien und sah sich dabei ebendiese Verbindungen und die Akteur*innen genauso an wie die ideologische und inhaltliche Ausrichtung der Medien.

Wochenblick: Boulevardeske Inszenierung als unabhängig und kritisch

Der Wochenblick, 2016 gegründet, ist eine Wochenzeitung mit einer Auflage von 35.000 Stück (nach eigenen Angaben). Medieninhaber ist das Unternehmen „Medien24 GmbH“ im oberösterreichischen Brunnenthal, der Geschäftsführer ist Norbert Geroldinger. Und hier beginnen auch schon die Verbindungen zur FPÖ: Geroldinger war bis 2010 FPÖ-Parteiobmann in Brunnenthal. Auch der (wahrscheinlich ehemalige) Redakteur Walter Höferl kandidierte 2012 für die FPÖ Krems. Gleichzeitig ist der Vertreter der rechtsextremen „Identitären Bewegung“ (IB) Deutschland, Johannes Schüller, Teil des Redaktionsteams - als Chefredakteur des Online-Auftritts. Ebenfalls dem Wochenblick nicht unbekannt ist Stefan Magnet. Als Gastautor schreibt er am liebsten über die „Mainstreammedien“ und „Lügenpresse“ und verteidigt die Pläne und Umsetzungen der aktuellen Regierung. Magnet ist Teil der „patriotischen“ Modelinie „heimatmode.at“ und war Mitglied der neonazistischen Jugendorganisation „Bund freier Jugend“. Er produzierte aber auch einen Werbefilm für Manfred Haimbuchner (FPÖ Oberösterreich) und war gemeinsam mit Norbert Hofer und Heinz-Christian Strache auf Dienstreise in Moskau.

Kurzum: Allein der Blick auf einen Teil der Personen, die mit dem Wochenblick verbunden sind, zeigt, dass das Postulat einer unabhängigen und objektiven Berichterstattung nur wenig glaubhaft ist. Bestätigt wird dieser Eindruck durch die Inhalte. Laut Quatember werden oftmals „grundsätzlich authentische Informationen [...] mit falschen Inhalten in Verbindung gebracht und als vermeintlich ‚wahr‘ verkauft“. Dabei ist eine klare Zielsetzung erkennbar: Neben Beiträgen aus dem Kulturbereich (111 Artikel) sind die meisten Artikel dem Themenbereich „Migration/Asyl“ (97) einzuordnen. Danach folgen Artikel über die Medienlandschaft (71 Artikel), über die Wirtschaft (64 Artikel) sowie über die Sicherheit (48). Wobei beim letzteren nur eine uneindeutige Trennung zu Migration/Asyl möglich war.

Die Verbindung von Kriminalität und Migration gehöre zu den Grundlagen der Wochenblick-Berichterstattung, schreibt Quatember – sowohl auf der sprachlichen als auch auf der bildlichen Ebene, die „boulevardesken Prinzipien“ folgt: „Die Bildsprache ist besonders bei den Themen Kriminalität und Migration drastisch. Die Personen werden meist in größeren Gruppen und als gesichtslose Massen dargestellt oder als Einzelperson mit dem typischen schwarzen Balken über den Augen, was einerseits ebenfalls anonymisiert, jedoch zusätzlich den bildhaften Vorwurf des Kriminellen intendiert.“

Auch Bedrohungen wie Krankheiten oder Naturkatastrophen werden mit nicht-österreichischen Nationalitäten verknüpft. Es wird in „Wir“ (autochthone, völkisch definierte Österreicher*innen) und „die Anderen“ (unpatriotisch, links, unösterreichisch, feministisch) eingeteilt, eine „romantisierende Volkskulturästhetik“ verwendet und auch auf antisemitische Codes nicht verzichtet. Ideologisch betont Quatember die Nähe zu FPÖ-Funktionär*innen und die wohlwollende Berichterstattung über die FPÖ, gleichzeitig ist der Wochenblick „als affin gegenüber rechtsextremer Denkweisen und agitatorisch als rechtspopulistisch einzuordnen“, so Quatember.

Info-DIREKT: Zwischen IB, Burschenschaften und FPÖ

Eine etwas andere Ausrichtung hat Info-DIREKT, die seit 2015 publizieren – die Gesellschaft „info-DIREKT VerlagsGmbH“ wurde erst zwei Jahre später gegründet. Im Zentrum stehen hier philosophische Fragestellungen, mit denen versucht wird, einen intellektuellen Anspruch zu besetzen. Auf Feinbilder, die vor allem in den Bereichen Asyl, Zuwanderung und der „Lügenpresse“ zu finden sind, wird trotzdem nicht verzichtet. Ideologisch ordnet Quatember das Medium identitär ein, die inhaltliche Ausrichtung bietet christlich-rechtskonservative Positionen ebenso Raum wie völkisch-esoterischen bis hin zu neonazistischen Positionen. „Info-DIREKT ist eine Scharnierfunktion zwischen FPÖ, Identitären, anderen Medien wie dem Wochenblick und europäischen Rechtsextremist*innen zuzuweisen, die das Magazin nicht zuletzt durch den „Kongress Verteidiger Europas“ erfüllt (siehe auch folgenden Artikel: „Vernetzungstreffen der extremen Rechte: Verteidiger Europas“). Dies zeigt sich nicht nur im Hinblick der Redaktionsmitglieder, sondern auch durch die Auswahl der Autor*innen (zum Beispiel Ideengeber der Identitären Bewegung, Martin Lichtmesz, erneut Stefan Magnet, aber auch Nationalratsabgeordneter der ÖVP Efgani Dömnez).

Hinter Info-DIREKT stehen die drei Gesellschafter Michael Scharfmüller, der gleichzeitig der Geschäftsführer ist, Jan Ackermeier und Ulrich Püschel. Michael Scharfmüller war ebenfalls Mitglied im „Bund freier Jugend“ und dessen Mutterorganisation „Arbeitsgemeinschaft für demokratische Politik“. Wie auch gegen Stefan Magnet und weitere Mitglieder der AfP wurde gegen ihn ein Verfahren nach dem NS-Verbotsgesetz geführt, das letztlich in einem Freispruch endete.

Jan Ackermeier ist seit 2007 Mitglied der deutschnationalen Burschenschaft Teutonia. Ein Jahr später wurde er zum parlamentarischen Mitarbeiter für die Nationalrats-Abgeordneten Harald Stefan, Christan Höbart und Johannes Hübner (FPÖ). Seit 2011 ist er Chefredakteur der deutschnationalen Wochenzeitung „Zur Zeit“ und seit 2016 politischer Referent in der Landesgeschäftsstelle FPÖ Österreich. Auch Ulrich Plüschel ist einerseits Mitglied einer schlagenden Burschenschaft (Arminia Czernowitz zu Linz) und machte gleichzeitig Karriere bei der FPÖ (vom Ortsparteiobmann-Stellvertreter der FPÖ Linz Urfahr-Mitte zum Büroleiter des FPÖ Verkehrs und Planungsstadtrates Markus Hein). Zwei Personen, die nicht nur die fehlende Unabhängigkeit der sogenannten „Alternativmedien“ durch die Verbindung zur FPÖ aufzeigen, sondern auch – ein weiteres Mal – Verbindungen zwischen dem burschenschaftlichen Milieu, der FPÖ und der rechtsextremen Szene.

alles roger? Der Versuch die Mitte der Gesellschaft zu erreichen

Recht(s) divers gestalten sich die Akteur*innen hinter dem Monatsmagazin alles roger?, das 2015 von Ronald Seunig gegründet wurde, und eine Auflage von 200.000 Stück hat. Medieninhaber ist „Excalibur Media“, Seunig ist nicht nur Herausgeber des Magazins, sondern auch Betreiber des Billig-Einkaufszentrum „Excalibur City“ in Tschechien. 2003 sorgte er durch die Sympathie-Bekundung für Adolf Hitler im Rahmen eines „trend“-Interviews für Aufsehen. Die Verlagsleitung hat Peter Westenthaler (FPÖ/BZÖ) inne. Die Chefredaktion teilen sich Roland Hofbauer, der sowohl 2016 als auch 2018 beim rechtsextremen „Kongress Verteidiger Europas“ auftrat, und der freie Journalist Klaus Faißner, Organisator der „Überparteilichen Plattform für den Austritt aus der EU“.

Laut Quatember versucht sich das Magazin in der Mitte der Gesellschaft zu positionieren. So finden sich in der analysierten März-Ausgabe Interviews mit dem Musiker und Filmemacher Reinhold Bilgeri, dem Fußballer David Alaba, aber auch mit Norbert Hofer. Unabhängig davon, ob die Interviews auch tatsächlich stattfanden (die Echtheit mancher im Magazin erschienen Interviews wurde in der Vergangenheit angezweifelt), zeigt sich insbesondere beim Interview mit David Alaba eine zweigleisige Schiene. Der Fußballer wird als „Vorzeigeösterreicher“ dargestellt, während in einem anderen Beitrag in der gleichen Ausgabe die „bösen“ Migrant*innen mit Gewalt an Schulen verknüpft werden.

„Der Absicht, sich nach außen – ähnlich wie der Wochenblick – als unabhängiges und ‚querdenkerisches‘ Medium zu positionieren, wird durch die genannte Agitation widersprochen. Vielmehr scheint eine Strategie angelegt zu werden, sich vor allem stärker in der Mitte der Gesellschaft oder sogar bei politisch linken Leser*innen zu positionieren, um vom Engagement der Proponent*innen in rechtsextremen Kreisen abzulenken“, schreibt Quatember.

Quatember fordert mehr Aufklärung und Transparenz

 „Abschließend ist zu bemerken, dass alle drei Medien in ihrer inhaltlichen Gestaltung, ihrer Themenwahl sowie ihrer Querverbindungen ins identitäre Milieu als rechtsextrem, bisweilen sogar antidemokratisch im Sinne eines Antipluralismus einzustufen sind. Grund- und Menschenrechte, die für alle Menschen in gleichem Maße gelten, werden abgelehnt. Bestimmte Bevölkerungs- und Berufsgruppen – allen voran Migrant*innen und Flüchtlinge, Parteipolitiker*innen und Journalist*innen – werden als Gefährdung einer völkisch und biologistisch determinierten österreichischen Kultur, die vor allem als Traditionskultur präsentiert wird, dargestellt. Diversität und der Anspruch anderer auf Meinungsvielfalt werden grundsätzlich abgelehnt, während man für sich selbst diesen Anspruch auf demokratische Grundprinzipien fordert, besonders, wenn es um Äußerungen einer gruppenbezogenen Menschenfeindlichkeit geht“, so lautet Quatembers Fazit.

Um dem entgegen zu wirken, brauche es eine stärkere Transparenz, wenn es um Eigentumsverhältnisse, Inseratenpreise, Finanzierung, Auflage und Förder*innen geht. So sind Querverbindungen zur FPÖ nicht nur aufgrund der Redaktionen und der Berichterstattung zu finden, sondern auch durch Inseratenschaltungen (am deutlichsten bei Wochenblick und Info-DIREKT) erkennbar. Gleichzeitig müsse auf eine stärkere Bewusstseinsbildung gesetzt werden, so Quatember abschließend: „Die Sensibilität in der medialen und politischen Öffentlichkeit kann und muss hierzu gestärkt werden. Aufklärung über rechtsextreme Medien und Querfrontmedien sollte zudem als wesentlicher Bestandteil der schulischen und außerschulischen Medienbildung und politischen Bildung betrachtet werden.“

Die Studie „Paralleldimension: ‚Alternativmedien‘ in OÖ“ kann auf der Seite der Kulturplattform OÖ kostenlos heruntergeladen werden: https://kupf.at/blog/paralleldimension/

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