„Maul aufmachen, auch wenn es wehtut“

„Maul aufmachen, auch wenn es wehtut“

Autor: Wolfgang Krumm, Mitarbeit: Claudia Steinberger

Punk ist nicht tot – er lebt noch, und zwar mit „Wut, Herz und Haltung“ in Mecklenburg-Vorpommern. Zu sehen im Dokumentarfilm „Wildes Herz“, der am 06. Juni 2018 Österreich-Premiere im Filmcasino in Wien hatte. Charly Hübner, bekannt als Schauspieler aus Polizeiruf 110, und Sebastian Schultz führten Regie und begleiteten zwei Jahre lang die deutsche Punkband „Feine Sahne Fischfilet“ und ihren Frontmann Jan „Monchi“ Gorkow bei Konzerten, im privaten Umfeld sowie bei Aktionen gegen Rechtsextremismus.

Der Film thematisiert den Einsatz und die antifaschistische Haltung der Band gegen Rassismus und Fremdenfeindlichkeit. Dieser Werdegang der Band war so nicht unbedingt vorauszusehen, wenn der Blick ein paar Jahre zurück geht. Monchi war in der gewaltbereiten Ultra-Szene des Fußballklubs Hansa Rostock aktiv, bei den ersten Auftritten der Band fühlten sich auch Neonazis wohl. Sänger Monchi erklärt dies so: „Du singst Lieder über Saufen und Ficken und das finden dann auch die Nazis geil.“

Dass „es scheiße ist, Nazi zu sein“, musste in der Band nicht diskutiert werden. Nach dem ersten Auftauchen von RassistInnen im Publikum erfolgte die klaren Positionierung der Band gegen Rassismus. Dies mag in „linken Wohlfühlblasen“ deutscher Großstädte  kein großes Ding sein. In ländlichen Gebieten in Mecklenburg-Vorpommern, wo mehr und mehr kritische Stimmen gegen rechte Hetze verstummen und AfD und NPD Zulauf erhalten, ist dies jedoch keine Selbstverständlichkeit, sondern zeugt von Haltung. Die Jungs um Feine Sahne Fischfilet wollen den Nazis den Raum nicht ohne Widerstand überlassen, erheben ihre Stimme für die Gegend in der sie aufgewachsen sind und stellen sich gegen das Gegröle von Rechts – auch wenn dies Drohungen und Angriffe auf die Band und den FreundInnenkreis zur Folge hat und bedeutet, „einiges aufs Maul zu bekommen“.

Zu den Landtagswahlen 2016 in Mecklenburg-Vorpommern startete die Band die Kampagne „Noch nicht komplett im Arsch. Zusammenhalten gegen den Rechtsruck“, um in der Region den antifaschistischen Widerstand zu stärken. Den Aufstieg der AfD konnten sie nicht stoppen, doch es ging ein klares Signal an die antirassistischen Kräfte in Neonazi-Hochburgen wie Anklam oder anderen kleinen Städten und Dörfern aus: „Morgen sind die Drecksnazis wieder da, aber heute gehört Anklam uns.“

Der Regisseur Charly Hübner stellt in einem Interview zum Film fest: „Es gibt den Begriff Zivilcourage. Ich wusste ganz lange nicht, was mir der im konkret Praktischen sagen will. Durch Monchi und Feine Sahne Fischfilet erfährt man das.“  Die Doku „Wildes Herz“ bleibt nicht an der Oberfläche – der Film reißt mit und eröffnet sehr persönliche Einblicke in das Heranwachsen von Jan Gorkow und das „Werden zu Monchi“ - einen Charakter, der nicht nur durch seine körperliche Präsenz strahlt, sondern eine mächtige Stimmte hat und mit Sicherheit lange nicht müde wird diese zu erheben! Denn wie er im Film sagt, es gilt das „Maul aufzumachen, auch wenn es wehtut“.

Die nächsten Vorstellungen in Österreich:

Mittwoch, 20.06.2018, 18:10 Uhr – Programmkino Wels

Donnerstag, 21.06.2018, 22:15 Uhr – Schikaneder Wien

Kinotrailer Wildes Herz: https://www.youtube.com/watch?v=DJbHWPoJc7U

[Foto: Jan „Monchi“ Gorkow | © Neue Visionen Filmverleih]