Zu viele Personen auf zu engem Raum: Wohnsituation(en) in Österreich

Zu viele Personen auf zu engem Raum: Wohnsituation(en) in Österreich

Von Valentine Auer

Wie wohnen Menschen in Europa? Auf diese Frage gibt die jährlich erscheinende Erhebung der EU „Social Income and Living Conditions“ (EU-SILC) eine Antwort. Das MAGAZIN wirft anlässlich des Welt-Habitat-Tages am 1. Oktober einen Blick auf einzelne Ergebnisse dieser Erhebung und zeigt, dass die Frage danach, wie Menschen wohnen, nicht so einfach zu beantworten ist. Denn: Sowohl die Wohnqualität als auch die Belastung durch die Wohnkosten unterscheiden sich oftmals deutlich – je nachdem, welchen Pass eine Person besitzt oder wie hoch ihr Einkommen ist.

38 Prozent aller Drittstaatsangehörigen wohnen beengt

Zu viele Personen auf zu engem Raum: Eine Realität für viele Menschen in Österreich, insbesondere für jene, die einen Pass aus einem Drittstaat besitzen. Sechs Prozent der Gesamtbevölkerung sind von dem betroffen, was die EU-SILC-Erhebung „Überbelag“ nennt (Definition siehe unten). Mit zwei Prozent ist dieser Wert bei österreichischen Staatsangehörigen deutlich niedriger; noch weiter vom Durchschnitt entfernt sind Drittstaatsangehörige. Ganze 38 Prozent der Ausländer*innen, die eine Staatsangehörigkeit außerhalb des EU- und EFTA-Raums (Europäische Freihandelsassoziation) besitzen, leben in zu beengten Verhältnissen.

Im Zuge der Flüchtlingsbewegung wurde einmal mehr deutlich, dass auch in Österreich und insbesondere in den Ballungsräumen menschenwürdiger und gleichzeitig leistbarer Wohnraum begrenzt ist. Insbesondere an jene, die sich in einer schwierigen Situation befinden, werden Wohnungen und Schlafplätze oft überteuert vermietet. Zwischen 200 und 350 Euro für einen Schlafplatz zu bezahlen ist keine Seltenheit, wie eine qualitative Studie der TU Wien zur Wohnsituation von Geflüchteten zeigte (Siehe auch: Bleibeberechtigt und wohnungslos).

Dies schlägt sich auch in den Zahlen der EU-SILC-Erhebung nieder: Drittstaatsangehörige wenden im Durchschnitt 31 Prozent ihres Haushaltseinkommens für die Wohnkosten auf, während Österreicher*innen durchschnittlich 16 Prozent ausgeben.

Ein Blick auf die vergangenen Jahre zeigt zudem, dass sowohl das Problem der beengten Wohnverhältnisse als auch Belastungen durch die Wohnkosten von 2015 auf 2016 unter Drittstaatsangehörigen stark anstiegen. Betraf Überbelag 2015 33 Prozent aller Drittstaatsangehörigen, waren es 2016 bereits 41 Prozent. Der durchschnittliche Wohnkostenanteil am Haushaltseinkommen stieg im gleichen Zeitraum von 28 auf 32 Prozent.

 
 

 

Unterschiede zwischen Einkommensgruppen und Geschlechtern

Doch nicht nur Drittstaatsangehörige sind von prekären Wohnverhältnissen betroffen. Auch Personen aus der niedrigen Einkommensschicht (Definition siehe unten) sind in diesem Bereich mit Problemen konfrontiert. 20 Prozent von ihnen leben in beengten Wohnungen. Trotzdem geben Personen mit niedrigem Einkommen 42 Prozent des Haushaltseinkommens für das Wohnen aus.

Kaum Unterschiede zeigen sich zwischen Frauen und Männern. Schlüsselt man die Ergebnisse jedoch weiter nach Altersgruppen auf, zeigt sich, dass junge Frauen Belastungen durch Überbelag etwas öfter ausgesetzt sind als gleichaltrige Männer, während bei Frauen ab 65 Jahren der Wohnkostenanteil höher ist als bei Männern in derselben Altersstufe.

 
 

 

Prekäre Wohnqualität und Belastungen durch Wohnumgebung nur geringes Problem

Kein Bad. Keine Dusche. Kein WC. Eine fehlende Waschmaschine. Schimmel und Feuchtigkeit. Dunkle Räume. Durch diese Faktoren zeige sich laut der EU-SILC-Erhebung eine prekäre Wohnqualität. Ist eine Person von zwei oder mehreren dieser Probleme betroffen, fasst die Erhebung dies unter dem Indikator „Prekäre Wohnqualität“ zusammen. In Österreich trifft dies auf nur drei Prozent der Bevölkerung zu, Menschen mit einer Drittstaatsangehörigkeit sind mit rund sieben Prozent am häufigsten betroffen.

Etwas höher sind hingegen Belastungen durch die Wohnumgebung: Lärm, Luft- und Umweltverschmutzung, Kriminalität und Vandalismus. Diese Faktoren fasst der Indikator „Belastung durch die Wohnumgebung“ zusammen. In Österreich sind neun Prozent von zwei oder mehr dieser Faktoren betroffen. Erneut weisen Drittstaatsangehörige mit 13 Prozent den höchsten Wert auf.

 
 

 

Definitionen nach EU-SILC

Überbelag: Der Indikator orientiert sich an den Kriterien der Gemeinde Wien bei der Vergabe von Gemeindewohnungen. Als überbelegt zählt ein Haushalt, wenn die Wohnfläche weniger als 16 m² beträgt, im Mittel weniger als 8 m² pro Wohnraum zur Verfügung stehen oder die Anzahl der Wohnräume im Verhältnis zur Zahl der Personen im Haushalt zu gering ist: ein Raum für zwei Personen, weniger als drei Räume für drei oder vier Personen, weniger als vier Räume für fünf oder sechs Personen, weniger als fünf Räume für sieben oder acht Personen, weniger als sechs Räume für mehr als acht Personen. Küchen werden nicht als Wohnräume gezählt.

Einkommensklassen: Gemessen am äquivalisierten Medianeinkommens (2017: 24.752 Euro): Niedrige Einkommen (unter 60 % des äquivalisierten Medianeinkommens – 2017: unter 14.851 Euro; entspricht der Gruppe der Armutsgefährdeten), mittlere Einkommen (60 bis unter 180 % des äquivalisierten Medianeinkommens – 2017: 14.851 bis unter 44.554 Euro), hohe Einkommen (180 % und mehr des äquivalisierten Medianeinkommens – 2017: 44.554 Euro und mehr).

Weitere Informationen:

MAGAZIN-Artikel: Bleibeberechtigt und wohnungslos

Wohnstatistiken auf Statistik Austria: http://www.statistik.at/web_de/statistiken/menschen_und_gesellschaft/wohnen/wohnsituation/index.html

[Foto: unsplash/ Ehud Neuhaus]