„Wenn Männer mir die Welt erklären“

„Wenn Männer mir die Welt erklären“

Von Julia Jerabek

 

In ihrem siebenteiligen Essayband „Men Explain Things to Me“ („Wenn Männer mir die Welt erklären“), wirft Rebecca Solnit einen Blick auf die Geschichte des Feminismus. Sie spannt dabei einen eleganten Bogen von persönlichen Erfahrungen über globale Ungerechtigkeiten zum modernen Feminismus. So unterschiedlich ihre Ansätze in den einzelnen Texten auch sind, sie sind ungebrochen feministisch, auffallend authentisch und immer hoffnungsvoll.

Tatsächlich beginnt Solnit ihr Buch mit einer unangenehmen Begebenheit. Eine Party, ein Mann und seine unglaubliche Arroganz. Sie unterhält sich, er sieht nicht ein, dass diese Frau auch etwas zu sagen hat und startet einen belehrenden Monolog über ein ausgesprochen wichtiges Buch, das in diesem Jahr erschien. Was er nicht erkennt: Die Autorin dieses Buches sitzt direkt vor ihm. Mit dieser Situation beginnt Solnit ihren Essayband.

Die Absurdität dieser Situation stellt Solnit zwar humoristisch dar, vergisst dabei aber nicht auf den Ernst dieses Zwischenfalls und gibt sich kämpferisch. Oft findet man in ihren Essays Aufrufe an ihre Leser*innen, sich der Verantwortung nicht zu entziehen, zusammen zu halten und weiter zu kämpfen. Denn, obwohl das Buch „Men Explain Things to Me“ heißt, stellt sie immer wieder mit Nachdruck klar, dass es natürlich auch feministische Männer gibt, die sie ebenso schätzt wie ihre weiblichen Mitstreiterinnen.

Das Buch setzt sich vor allem aus aktuellen Geschehnissen zusammen die man selber, mit großer Wahrscheinlichkeit, in den Nachrichten gesehen hat. Sie analysiert diese, fügt Statistiken hinzu und gibt, nie belehrend, aber immer klug ihre Meinung dazu kund.

Wie zum Beispiel das interessante Essay über die eheliche Gleichstellung, die es erst seit einigen Jahrzehnten gibt. Solnit veranschaulicht die Kraftanstrengungen, die Menschen, damals vor allem Frauen, auf sich nahmen, um für uns eine vollkommene Umwälzung der Machtverhältnisse innerhalb der Ehe zu erkämpfen. Sie zieht Parallelen zur gleichgeschlechtlichen Ehe und zeigt, wie viel Arbeit noch vor uns steht. Natürlich sind diese Geschehnisse bekannt, aber Rebecca Solnit schafft es ihre Leidenschaft auf die Leser*innen zu übertragen und den kämpferischen Frauen und Männern vor uns die wohlverdiente Dankbarkeit zukommen zu lassen.

Und genau das macht dieses Buch so wichtig: Sie versucht in ihrem Schreiben junge Frauen zu erreichen und möchte ihnen eine Stütze sein. Sie gewährt Menschen, die sich noch nicht viel mit dem Feminismus auseinandergesetzt haben, einen leichten Einstieg in das Thema. Das Buch hat nur 170 Seiten, ist leicht zu lesen, informativ und inspirierend. Auch wenn sich manche Männer durch den Titel vielleicht abschrecken lassen, sei auch ihnen die Lektüre ans Herz gelegt, denn: Rebecca Solnit ist eine offene, wortgewandte Frau die vor allem eint und nicht trennt.

 

Rebecca Solnit: Wenn Männer mir die Welt erklären. btb Taschenbuch Verlag. 176 Seiten, 2017. Das Buch erschien auch im Hofmann und Campe Verlag