Warum wir Feminismus brauchen

Warum wir Feminismus brauchen

Von Hanna Weichselbaum

Feministin sagt man doch. Das ist das Fazit von Hanna Herbsts (Journalistin und ehemalige Vizechefredakteurin von VICE Austria) „Feministin sagt man nicht“. Hanna Herbst erklärt, wieso Feministin und Feminist zu sein auch heute noch notwendig ist. Sie beschreibt in acht Kapiteln beispielhaft, wo und wie Frauen gegenüber Männern benachteiligt werden.

Dabei fängt sie bei ihrer Kindheit, ihrer Jugend an. An ihrer eigenen Biographie erläutert Herbst anschaulich, wie sich Frauen an Erwartungen von Männern anpassen: „Die Bestätigung, die ich als Jugendliche brauche, um meine Existenz zu rechtfertigen, hole ich mir durch das Urteil von Männern, die zu dem Zeitpunkt noch gar keine sind.“ Sie geht mit Männern aus, damit diese nicht böse sind, oder zieht sich ein Dirndl an, weil ihr Chef das schön findet und daher von ihr verlangt.

Was das Patriarchat bedeutet und wie es aufrechterhalten wird, sind Beispiele für Fragen, mit denen sich die Autorin beschäftigt. Ihre Antworten: Patriarchat ist die Vormachtstellung des Mannes. Es sind Zuschreibungen darüber, wer welche Rolle einzunehmen hat. Aufrechterhalten wird dies nicht nur von Männern: „Das Patriarchat, das sind nicht nur Männer, das sind wir alle.“ Angesichts ihrer eigenen Erfahrungen, aber auch aktueller Fälle wie jenen um Sigrid Maurer, darf auch das Thema Hass gegen Feministinnen nicht fehlen. Ein Hass, der sich unter anderem über soziale Medien verbreitet.

Insgesamt schafft es Hanna Herbst in den 136 Seiten eine Breite feministischer Themen anzusprechen: Im Kapitel „Macht und Gewalt“ beschreibt Herbst, wie das ungleiche Machtverhältnis zwischen Männern und Frauen sexualisierte Gewalt mit ermöglicht. Besonders gelungen ist die Beschreibung der Debatte um #MeToo. Herbst erklärt, wie das Hashtag entstand und welche positiven Folgen es hatte und zeigt so, wie feministische Kampagnen wirken können. Zwei weitere Kapitel behandeln, beispielhaft für patriarchale Unterdrückungsmechanismen, Pornografie und Schönheitskult. Hier übt sie auch Kritik an den dahinterstehenden Industrien, die zu oft nicht das Wohl aller Beteiligten im Fokus haben. So schreibt sie etwa zum Thema Schönheit: „Aber wenn sich eine Industrie bewährt hat, dann die, die Frauen Mängel einredet, wo vorher keine waren, und gleichzeitig vorgibt, deren Lösung zu haben.“ Im Bereich Pornografie widmet sich Hanna Herbst auch feministischer und fair produzierter Pornografie bekannter Filmemacherinnen wie Erika Lust oder Vex Ashley.

Hanna Herbst schreibt über all diese Themen und lässt viele andere aus. Schade ist, dass sie ihre Themenauswahl nicht näher begründet. Es bleibt der Fantasie der Leserinnen und Leser überlassen, warum sie beispielsweise über Pornografie, nicht aber über Schwangerschaftsabbruch oder Sexarbeit abseits von Pornografie spricht. Auch intersektionale Inhalte und Politiken zu trans- oder intergeschlechtlichen Personen werden großteils kommentarlos ausgespart.

Und dennoch: Sie macht deutlich, welche Opfer das Patriarchat fordert. Sie zeigt, dass feministische Arbeit noch lange nicht vorbei sein darf.

 

Hanna Herbst: Feministin sagt man nicht. Brandstätter Verlag. 136 Seiten, 2018.

Am 19. November liest Hanna Herbst um 19:00 im Grazer Theater am Lend aus ihrem Buch. Die nächste Lesung findet am 8. Dezember in der Arena21 (MuseumsQuartier, Wien) um 12:30 statt.

[Bild: Brandstätter Verlag]