Über das Ankommen

Über das Ankommen

von Hanna Weichselbaum

Georg Picot ist Wissenschaftler. Er schreibt von seinem Ankommen an einem neuen Arbeitsort. Afraa Batous, Theaterregisseurin und Filmemacherin, berichtet von der Ankunft in Deutschland nach der Flucht aus Syrien. Während Picot in seiner neuen Wohnung eintrifft und doch mit den Gefühlen noch im alten Leben steckt, landet Batous im Asylwerbercamp und erinnert sich an ihr unfreiwillig verlassenes Zuhause. Es sind Geschichten wie diese, in Prosa und Lyrik, die zeigen, wie unterschiedlich Ankommen sein kann. 38 Autor*innen schreiben darüber in „Wir sind hier. Geschichten über das Ankommen“, herausgegeben von Katja Huber, Silke Kleemann und Fridolin Schley.

Oft geht es dabei um das Ankommen nach einer unfreiwilligen Abreise, nach Krieg und Flucht. Die Autor*innen schreiben von den Erinnerungen an ihr Geburtsland, über das Grauen, das sie erlebten, aber auch von den Erwartungen, die einem Angekommenen entgegengetragen werden. Andere schreiben darüber, wie ihnen das Hier-Sein ständig abgesprochen wird, wenn sie Rassismus erleben. Da geht es um Hass gegen türkischstämmige Menschen in Deutschland oder um die Frage „Wo kommst du her?“, wenn man nicht als dazugehörig definiert wird. Suli Kurban stellt darauf die Gegenfrage: „Wann darf ich endlich ankommen?“ und es erscheint angesichts des deutlich aufgezeigten Rassismus skurril, wenn als Reaktion auf die Diskussion um die Frage der Herkunft in einem anderen Text empfohlen wird, „sich mal ein bisschen zu entspannen“ (Mercedes Lauenstein).

Das Buch zeigt auf, wie selbstverständlich manche Autor*innen das eigene Hier-Sein leben können. Andere Autor*innen beschreiben selbst, was es bedeutet, immer schon hier sein zu dürfen, während dies anderen abgesprochen wird.

Ankommen bedeutet Anstrengung von allen Beteiligten, unabhängig davon, warum jemand an einen neuen Ort gelangt. Die Geschichten zeigen aber auch auf, wie das Hier-Sein manchen leichter gemacht wird als anderen. Sie überzeugen dabei nicht nur inhaltlich, sondern auch sprachlich: Unter den Autor*innen sind beeindruckende Lyriker*innen, wie Galal Alahmadi, ein bekannter Dichter des Jemen. Die Texte gewähren intime Einblicke in die Hoffnungen, Ängste und Zweifel der Schreibenden und motivieren, sich mit dem eigenen Hier-Sein zu beschäftigen.

 

Katja Huber, Silke Kleemann, Fridolin Schley (Hg.): Wir sind hier. Geschichten über das Ankommen. Allitera Verlag. 224 Seiten, 2018.