Stadt für alle!

Stadt für alle!

Von Lisa Pongratz

Die Herausgeberinnen Heidrun Aigner (Forscherin auf dem Gebiet queer-feministische Perspektive zu urbanen Grenzpraktiken in Wien) und Sarah Kumnig (Forscherin und Lehrende an der Universität Wien zu neoliberaler Stadtentwicklung, Wohnpolitik und Urban Citizenship) tragen in ihrem Sammelband „Stadt für Alle!“ zahlreiche Beiträge zu den Themen Leben und Wohnen in der urbanen Gesellschaft zusammen. Reflexionen zu diesen Themen finden sich dabei ebenso wie Entwürfe möglicher Veränderungen.

So thematisiert Sarah Schillinger in ihrem Beitrag das Konzept „Urban Citizenship“, also die Möglichkeit der rechtlichen, politischen, sozialen und kulturellen Teilhabe aller in einer Stadt wohnenden Menschen – unabhängig von deren Staatsbürger_innenschaft. Schillinger geht dabei auf die Wahrnehmung von Grenzen ein, auf Dynamiken der In- und Exklusion in Städten sowie auf die „Urban Citizenship“ als selbstermächtigende Praxis. 

Tania Araujo und Marissa Lobo stellen die Organisation „maiz“ vor, die 1994 gegründet wurde und selbstorganisiert von und für Migrant_innen in Österreich agiert. Im Beitrag „Die urbanen Undercommons“ beschäftigen sich Sheri Avraham und Niki Kubaczek mit dem Austausch und der Loyalität, die Migrant_innen in Österreich untereinander verbinden kann. Die Autor_innen sprechen explizit die Nachbarschaftlichkeit gewisser Subkulturen, aber auch die negativen Aspekte der derzeitigen Regierung an.

Auf die Analysen folgen im Buch interessante Aneignungen und Ideenkonstrukte verschiedener Autor_innen zu breitgefächerten Themen: Demokratiedefizit am Beispiel der Schweiz, Racial Profiling, soziales Wohnrecht in Wien, Sprache und damit verbundenen Ausgrenzungen, Gedanken zu einer Stadt ohne Exekutive, Sexarbeit und deren Rahmenbedingungen, Bettelverbote und offene Jugendarbeit.

Das Buch „Stadt für alle!“ ist damit ein Sammelsurium an gesellschaftskritischen Texten, die gezielt Diskriminierungen und Rassismus aufzeigen, jedoch auch mögliche Lösungen präsentieren. Es entsteht beim Lesen der Beiträge nicht nur ein besseres Verständnis für Probleme der österreichischen Politik auf mehreren Ebenen, sondern ebenso das Bedürfnis, aktiv zu werden und den Entwicklungen hin zu Rechtsradikalität und Exklusion in der Stadt Wien entgegenzuwirken. Ein gelungenes Werk, gefüllt mit sinnvollen Denkanstößen und gedanklichen Experimenten.

Heidrun Aigner, Sarah Kumnig (Hg.): Stadt für alle! Analysen und Aneignungen. Mandelbaum Verlag, 260 Seiten, April 2018.

 

[Foto: Nietjuh | pixabay.com]