Liebe Cisters, wir müssen reden!

Liebe Cisters, wir müssen reden!

Gastkommentar von Rhonda D’Vine


Es gibt sie wieder. Die leider notwendige Donnerstagsdemo. Unter dem Motto "Wir sind jetzt zusammen!" gehen Woche für Woche tausende Leute auf die Straßen, die für ein menschlicheres Miteinander eintreten. Verschiedenste Organisationen haben sich zusammen gefunden, um der Regierung ihren Unmut darüber kund zu tun, dass diese ebenfalls Woche für Woche neue Rückschritte und Intoleranzen von sich gibt und damit die Bevölkerung, die sie gewählt hat, beschneidet.

Es ist ein wichtiges Zeichen. Dass trotz dem Eintreten für unterschiedliche notwendige Kämpfe doch ein Zusammenschluss möglich ist. Für eine gemeinsame Sache. Und die Ausrichtung von Do! ist klar: „Ihr werdet euch noch wundern, wer da aller gemeinsam für eine progressive, solidarische Gesellschaft kämpft!“

Wie wichtig es ist, dabei auch auf einander Rücksicht zu nehmen, sollte klar sein. In Zeiten, in denen die CDU-Chefin bei einer Fastnacht-Veranstaltung es für angebracht findet, billige Witze auf Kosten von intergeschlechtlichen Menschen zu machen, ist es umso wichtiger, dass wir für einander einstehen.

Umso verstörender ist es dann, wenn es nach wie vor bewusst exkludierende Positionen gibt, und diese als eine Spielart des Feminismus verstanden werden wollen. Die zwar nicht müde werden zu behaupten, ihre Veranstaltungen wären für Frauen zugänglich, dann aber bewusst Frauen ausschließen, weil diese nicht bei Geburt weiblich zugeordnet wurden. Was nicht nur trans Frauen (be)trifft, sondern auch einige intergeschlechtliche Personen. Und auf Hinweise dazu von sich geben, sie würden sich nicht als transfeindlich verstehen. Und dass doch auch Solidarität gezeigt werden sollte. Na, dann ist es ja wohl gut, oder nicht?

Zusätzlich gibt es dann noch die Position in Bezug auf Sexarbeit, dass diese ja immer Vergewaltigung wäre, und dass eine Kriminalisierung helfen würde. Dass diese Lösung hervorragend hilft - vor allem jenen Personen, die Frauen in der Sexarbeit stigmatisieren und damit stummschalten wollen, und sie damit bewusst einem verstärkten Missbrauch aussetzen, statt die rechtliche Position zu stärken und einen geschützten Rahmen bieten zu können - zeigen die Erfahrungen aus zahlreichen anderen Ländern.

Solidarität ist keine Einbahnstraße. Das Patriarchat betrifft uns alle. Wir brauchen Zusammenschlüsse und keine Trennungen, die sich erst recht wieder patriarchalen Muster bedienen. Und wenn sich der Feminismus dadurch definiert, dass er Ausschlüsse produziert, egal ob sich dieser gegen trans, intergeschlechtliche, sexarbeitende oder andere von Diskriminierung betroffene Personengruppen richtet, dann ist dies eindeutig nicht mein Feminismus. Da hilft es auch nicht zu sagen, dass sich eins solidarisch mit einer Wortwahl zeigen soll, die dir das Frau-sein abspricht. Oder dich der Lächerlichkeit Preis gibt. Oder deine Arbeitssituation massiv verschlechtert.

Liebe Cisters, es ist notwendig, dies ansprechen zu können - und nicht mit dem Hinweis auf den gemeinsamen Gegenspieler, der uns Woche für Woche mit neuen Schreckensmeldungen aus dem Parlament versorgt, beiseite geschoben zu werden. Denn nur dann ist es möglich auf Augenhöhe miteinander umgehen zu können. Dazu gehört auch ein Anerkennen, dass sowohl trans als auch cis keine Schimpfwörter sind, sondern lediglich Bezeichnungen á la groß oder klein, blond oder brünett. Und eine Ablehnung des Begriffs cis als Gegenüberstellung von trans als Fremdzuschreibung es mehr als ironisch wirken lässt, wenn ihr dann voller Selbstverständlichkeit trans für alle nicht-cis Frauen als Fremdbezeichnung verwendet.

Be careful with each other so we can be dangerous together.