„Ich bin eine Frau und ich bin transgeschlechtlich.“

„Ich bin eine Frau und ich bin transgeschlechtlich.“

von Hanna Weichselbaum

Im Buch „Trans. Frau. Sein. Aspekte geschlechtlicher Marginalisierung“ beschreibt Felicia Ewert unterschiedliche Formen der Diskriminierung gegen trans Personen. Das heißt gegen Personen, deren Geschlechtsidentität nicht mit dem Geschlecht übereinstimmt, das sie kurz nach der Geburt zugewiesen bekamen. Anders also als bei cis Personen.

Doch genau an diese richtet sich das Buch: An cis Personen, die oftmals – manchmal mehr und manchmal weniger bewusst – davon ausgehen, dass körperliche Merkmale das Geschlecht bestimmen. Denn die Autorin kritisiert die Unterteilung in ein biologisches („Sex“) und soziales („Gender“) Geschlecht: „Wenn ich von ‚Gender‘ spreche, meine ich damit ‚Geschlecht‘. Und damit meine ich kein ‚soziales‘, ‚empfundenes‘ Geschlecht“, schreibt sie. Nach Ewert beruht Geschlecht auf einer internalen Erfahrung, unabhängig von körperlichen Organen.

„Trans. Frau. Sein.“ ist auch ein Buch für trans Personen, die die verschiedenen Arten der Diskriminierung erleben. Das sind zum Beispiel Vorstellungen darüber, wie sich Frauen und Männer zu verhalten oder kleiden haben, „Witze“ über „Männer in Kleidern“ oder aktiver Ausschluss aus Frauenräumen. Die Autorin führt überzeugend aus, dass Feindlichkeit gegen trans Frauen eine Form der Misogynie ist, da sie propagiert, was als „weiblich“ gilt und was nicht.

Felicia Ewert erklärt die rechtliche Situation von trans Personen in Deutschland und schildert persönliche Erlebnisse, die sie offline und online erlebt. Da ist zum Beispiel die Person, die ihr ohne viel Worte zu verstehen gibt, dass sie die „falsche“ Toilette benutze. Oder jene, die sie an der Bushaltestelle ungefragt darauf hinweist, dass ihre Stimme so gar nicht zu einer Frau passe.

Twitter-affinen Menschen ist Ewert als @redhidinghood_ bekannt. Die Sprache des Buches erinnert an den Netzjargon – direkt, nicht immer frei von Rechtschreib- oder Satzzeichenfehlern, inklusive Sternchen-Ausdrücken mit Inflektiv, wie *hust*. Ohne Vorwissen im Bereich Transaktivismus ist der Argumentation nicht immer ganz leicht zu folgen. Es lohnt sich aber trotzdem, denn das Buch bietet einen Einblick in die Hürden, mit denen trans Personen zu kämpfen haben.

 

Felicia Ewert: Trans. Frau. Sein. Aspekte geschlechtlicher Marginalisierung. Edition Assemblage. 176 Seiten, 2018.

[Bild: Edition Assemblage]