#FeminismusOida – Take Back The Streets!

#FeminismusOida – Take Back The Streets!

Gerade jetzt – in Zeiten eines antifeministischen Backlashs – für die Rechte von Frauen und Minderheiten eintreten. Feminismus weiterhin als Gesellschaftskritik und die Möglichkeit diese zu verändern, begreifen. Feministische Diskussionen jeden Tag führen, nicht nur am 8. März. Das sind Gründe, wieso Einzelpersonen und politische Organisationen feministisch kämpfen.

Im Rahmen der von dem Kollektiv „Take Back The Streets“ initiierten Kampagne #FeminismusOida wurden Antworten auf zwei Fragen gesammelt und rund um den 8. März veröffentlicht: Was bedeutet der 8. März (internationaler feministischer Kampftag) für dich? Wieso ist es dir wichtig für feministische Forderungen einzustehen? Wir haben eine Auswahl dieser Antworten zusammengetragen. Antworten, die zeigen, was es bedeutet feministische Arbeit als intersektional zu verstehen. Antworten, die die Wichtigkeit vergangener feministischer Kämpfe ebenso benennt wie die Wichtigkeit künftiger Kämpfe. Und Antworten, die veranschaulichen, welchen Einfluss all diese Kämpfe auf das persönliche Leben haben.

Judith Götz (Literatur- und Politikwissenschaftlerin):

„Feminismus hat mir in meinem Leben soviel ermöglicht, angefangen dabei, die Welt besser zu verstehen, (sexistische) Ungerechtigkeiten weniger persönlich zu nehmen, sondern die Struktur dahinter zu erkennen, über Ermutigungen, mir Raum zu nehmen und mir alles Mögliche zuzutrauen bis hin zu viel besserem Sex. Und auch historisch gesehen, vom Kampf um das Wahlrecht über den Zugang zu den Universitäten bis hin zu Diskriminierungsschutz und Gleichstellungsmaßnahmen waren feministische Kämpfe von enormer Bedeutung, freiwillig hätten Männer ihre Privilegien wohl nie hergegeben. Feminismus kann so vieles (ermöglichen) und genau deswegen finde ich Feminismus und feministische Forderungen nach wie vor so notwendig. Gerade in Anbetracht des gesellschaftlichen antifeministischen Backlashs, den wir gerade erleben, erscheint es mir umso wichtiger, die feministischen Errungenschaften der letzten Jahre und Jahrzehnte zu verteidigen, für den Feminismus zu streiten und zu kämpfen.“

 

Offensive gegen Rechts (antirassistisches Bündnis)

„Die schwarz-blaue Regierung zeigt täglich vor, wie Rassismus und Sexismus gezielt als Spaltungsmechanismen eingesetzt werden, um ihre Politik für die Reichen zu rechtfertigen. Frauen*morde interpretieren sie zynisch als „importiert“ und nutzen sie, um rassistische Gesetzesänderungen zu legitimieren. Gleichzeitig behaupten sie, patriarchale Strukturen gäbe es in Österreich nicht mehr! Für uns als Offensive gegen Rechts ist klar: der Kampf gegen Rechts und der Kampf gegen Sexismus, Gewalt an Frauen* und gegen Schwarz-Blau muss gemeinsam geführt werden. Daher rufen wir dazu auf, am 8. März mit uns auf die Straße zu gehen und zu demonstrieren.“

 

Ni Una Menos Austria (feministische Bewegung gegen Femizide)

Am 8. März marschieren wir für die, die aufgrund der Gewalt an Frauen nicht mehr da sind. Wir marschieren auch, damit wir #StarkFreiGemeinsam in unserer Gesellschaft die Missbrauchskultur des Patriarchats abschaffen können. Wir marschieren für die legale und freie Abtreibung. Weil Feminismus kein Stereotyp, sondern soziale Gerechtigkeit ist.

Für uns ist der 8. März wichtig, weil das Patriarchat kein Phänomen der spanischsprachigen Länder oder des globalen Südens ist. Das Patriarchat ist eine weltweite Ausbeutung, von der wir überall betroffen sind.

 

Unter Palmen (linkes Zeitungsprojekt):

„Im derzeitigen Zustand der Gesellschaft, sind die bisherigen Errungenschaften der dauernden Gefahr ausgesetzt, zurückgenommen zu werden. Weshalb sie verteidigt werden müssen. Gleichzeitig gilt es aber auch weiterzukämpfen. Feminismus ist für uns ein zentraler Schritt in eine andere Gesellschaft. Denn Feminismus ist mehr als der Kampf gegen menschgemachte, sehr einflussreiche Geschlechterrollen und -unterschiede:

Feminismus steht für die Befreiung aller Menschen.
Feminismus heißt gleiche Rechte für alle und keine Angst für niemanden.
Feminismus bedeutet, sexistische Gewalt und Hass nicht zu tolerieren.

Niemand soll mehr aufgrund von Geschlechterrollen leiden müssen. Aber Feminismus ist für uns auch mehr als Frauenquoten und gleicher Lohn. Ein Feminismus, der nur auf eine unsichere Gleichstellung im Job aus ist, übersieht die Verbindung von Sexismus und Kapitalismus. Deshalb muss für uns Feminismus immer auch antikapitalistisch sein. Feminismus ist also Gesellschaftskritik und Gesellschaftsveränderung. Diese Veränderung ist nur gegen Staat und Kapital möglich. Ohne Feminismus, keine befreite Gesellschaft.“

 

LEFÖ (Beratung, Bildung und Begleitung von Migrantinnen)

Angesichts der politischen Situation in Österreich und Europa, welche geprägt ist von einem rassistischen und frauenfeindlichen Backlash, ist es wichtiger denn je, dieser sexistischen, rassistischen und LGBTQI*-feindlichen Politik entschieden entgegenzutreten und für die Rechte von Frauen*, Migrant*innen und LGBTQI*-Personen einzustehen. Heute sollen insbesondere die Frauen* gehört werden, die von der Gesellschaft am meisten marginalisiert und stigmatisiert werden: so zum Beispiel Sexarbeiter*innen, Trans-personen und Migrant*innen. Sie sind am meisten von rechtlicher Diskriminierung, institutionalisierter Doppelmoral und gesellschaftlicher Abwertung betroffen. Nur wenn wir diese Positionen ins Zentrum unserer Arbeit und Solidarität rücken, können wir die herrschenden Ungerechtigkeiten, Ausbeutungen und Gewalt gemeinsam durchbrechen.

 

Nicole Schöndorfer (freie Journalistin)

„Der 8. März ist der Tag im Jahr, an dem so viel über Feminismus gesprochen wird, wie es für jeden einzelnen Tag des Jahres wünschenswert wäre. Das Thema, das ausnahmslos alle Bereiche unseres Lebens berührt, wird ansonsten nämlich eher wie ein very special interest behandelt. Wie eine lästige Befindlichkeit, über die außerhalb von ein paar für den gesellschaftlichen Mainstream uninteressanten “identitätspolitischen” Nischen nicht mehr diskutiert werden muss. Schließlich sind wir eh schon alle gleichberechtigt. An diesen Quatsch glauben natürlich vor allem jene, die immer schon die Deutungshoheit hatten und den Diskurs in besagtem gesellschaftlichen Mainstream nach wie vor dominieren: Weiße cis Männer mit einer vor allem für Frauen und Minderheiten gefährlichen Angst vor dem eigenen Machtverlust. Sie sind es, die eine breite feministische Diskussion jeden Tag verhindern. Sie sind es, die strukturelle Diskriminierung negieren und sagen, wir wären zu empfindlich, zu aggressiv, zu humorlos. Sie sind es, die es am Ende zu übertönen gilt. Sie werden schon unruhig.“

 

Und: DAS BÜNDNIS für Menschenrechte & Zivilcourage

„Wie wollen wir zusammenleben?“ Diese Frage stellt für uns den Kern feministischer Kämpfe und den darauf aufbauenden Handlungen dar. Gleichzeitig zeigt die Frage, dass Feminismus nicht isoliert, sondern intersektional betrachtet werden muss. Denn ein gerechtes Zusammenleben betrifft alle, die einen Ort zu einem bestimmten Zeitpunkt gemeinsam gestalten.

Also, wie wollen wir denn zusammenleben, wie könnte ein gutes und gerechtes Leben für alle aussehen? Eine mögliche Antwort: Die tatsächliche Teilhabe in allen Bereichen und für alle Menschen muss möglich sein – unabhängig von Geschlecht, Sexualität, Herkunft, ob migriert oder nicht, ob religiös oder nicht, etcetera. Das beinhaltet auch, dass Ausschlüsse und Diskriminierungen konsequent benannt und bekämpft werden müssen. Anstatt daran zu arbeiten, dieses Ziel zu erreichen, hören wir derzeit Tag für Tag Nachrichten, die mehr Ausschlüsse, mehr Diskriminierungen, mehr Ungerechtigkeiten produzieren. Dagegen wollen wir aufstehen, für ein gerechtes Leben für alle wollen wir laut sein – am Frauentag und an jedem Tag."

 

Alle Statements und Antworten können (und sollen) auf den social media Kanälen des Kollektivs Take Back The Streets nachgelesen werden: https://twitter.com/TakeStreets | https://www.facebook.com/takestreets | https://www.instagram.com/takeback8m

Take Back The Streets organisiert zudem eine Demo am 8. März, ab 17:00, Treffpunkt Wien Mitte. Kinderbetreuung gibt es vor Ort und die Demo ist offen für alle Geschlechter (mehr Infos: https://www.facebook.com/events/2245619889013259/)