„Begegnungen beinhalten viele Chancen für Neues“

„Begegnungen beinhalten viele Chancen für Neues“

Von Daniela Trimmel

Zum 25. Mal wird am 3. Dezember 2018 der Internationale Tag der Menschen mit Behinderung begangen. Ziel des von den Vereinten Nationen (UN) ausgerufenen Gedenk- und Aktionstags ist es, ein Bewusstsein für die Lebenssituation von Menschen mit Behinderung zu schaffen – sei es in politischer, sozialer, ökonomischer oder kultureller Hinsicht. Diesjähriger Schwerpunkt: Menschen mit Behinderung stärken und Inklusion und Gleichheit sicherstellen. Aufgaben, die sich auch im UN-Aktionsplan 2030 für nachhaltige Entwicklung wiederfinden. Dem darin festgehaltenen Versprechen „niemanden zurückzulassen“ verschreibt sich das „Forum Erleben“ bereits seit vier Jahren, indem es betreute Reisen für Menschen mit und ohne Behinderung organisiert. Hans Peter Greunz, Gründer und Geschäftsführer von Forum Erleben, erzählt im Interview mit „DAS MAGAZIN“ von seinem Beitrag zur Inklusion von Menschen mit Behinderung.

Herr Greunz, was war Ihr Ziel als Sie im Jahr 2014 Forum Erleben gründeten?

Unterwegs zu sein in anderen Ländern bzw. Regionen bringt neue Erfahrungen, Erkenntnisse und Erlebnisse. Menschen begegnen sich und diese Interaktion beinhaltet viele Chancen für Neues. Unser Ziel war und ist es, dies auch jenen Menschen zu ermöglichen, die aufgrund einer körperlichen oder mentalen Einschränkung unterwegs auf Unterstützung angewiesen sind. Gleichzeitig sind bei vielen unserer Reisen Menschen ohne Einschränkung gemeinsam mit Menschen unterwegs, die eine Beeinträchtigung haben. Diese Reisen erlebe ich als besonders schön und intensiv, da hier ein selbstverständliches Miteinander spürbar ist. Da wir ja immer in kleinen Gruppen unterwegs sind, gelingt uns das sehr gut.

Was sind die beliebtesten Reiseziele Ihrer Kund*innen? Gibt es Destinationen, die sich durch besondere Maßnahmen zur Inklusion von Menschen mit Behinderung auszeichnen?

Österreich ist ein schönes und abwechslungsreiches Urlaubsland und aufgrund eines gewissen Sicherheitsgedankens wollen viele auch hier ihren Urlaub verbringen. Nicht zu weit weg und trotzdem eine neue Umgebung und neue Eindrücke. Österreich hat aber gerade was Barrierefreiheit betrifft noch einiges aufzuholen. Da sind andere Regionen schon weiter. Schottland hat mich diesbezüglich zum Beispiel sehr beeindruckt. Mit einer guten Vorbereitung von unserer Seite und einer gewissen Flexibilität der Teilnehmer*innen lässt sich aber grundsätzlich die ganze Welt bereisen. Gerade bei unseren Reisen in ferne Länder wie Südafrika, Thailand oder auch Costa Rica wird fehlende Infrastruktur durch die Herzlichkeit und Hilfsbereitschaft vor Ort mehrfach aufgewogen.

Wir beobachten aber, dass das Angebot eines barrierefreien Tourismus für immer mehr Regionen interessant wird. Schließlich steigt ja auch die Zahl der reiselustigen Senioren und Seniorinnen, die trotz der einen oder anderen körperlichen Einschränkung ihren Urlaub genießen wollen. Also steigt auch die Zahl der barrierefreien Zimmer mit passenden Bädern oder das Angebot an rollstuhlgerechten Ausflugszielen, was natürlich gut ist. Menschen mit oder ohne Einschränkung treffen hier aufeinander und es macht letztendlich keinen Unterschied.

Sie sind in Österreich einer der wenigen Reiseveranstalter, die sich auf Reisen mit und für Menschen mit Behinderung spezialisiert haben. Warum wird der Zielgruppe der Menschen mit Behinderung aus Ihrer Sicht so wenig Beachtung in diesem Segment geschenkt?

Das liegt vermutlich daran, dass sowohl bei der Planung als auch während der Reise selbst vieles zu beachten ist. Die Gruppen sind kleiner und der Arbeitsaufwand ist höher. Wir führen ausführliche Gespräche im Vorfeld und organisieren, wenn nötig, zusätzliche Reisebegleitung mit einer fachspezifischen Ausbildung. Es braucht also neben dem Wissen bezüglich der Reisebranche auch das Wissen und die Erfahrung hinsichtlich der einzelnen Einschränkungen und was in der Begleitung von Menschen mit einer Beeinträchtigung wichtig ist.

Sie arbeiten seit etwa 20 Jahren mit und für Menschen mit Behinderung. Wo sehen Sie positive Entwicklungen und wo negative?

Ich denke, dass sich in der Interaktion mit Menschen mit einer Einschränkung vieles zum Positiven verändert hat. Ich erlebe die Menschen mit Beeinträchtigung präsenter im Alltag und Berührungsängste sind nicht mehr so groß wie früher. Ich kenne viele Personen, die trotz einer Einschränkung sehr selbständig in einer eigenen Wohnung leben, einer Beschäftigung nachgehen und in der Gemeinschaft bzw. Gesellschaft gut integriert sind. Auf der anderen Seite sehe ich natürlich auch die Tendenz, gerade im Sozial- und Pflegebereich Sparmaßnahmen gesetzt werden, die sich gravierend auf die Lebenssituationen von Menschen mit Beeinträchtigung auswirken können.  

 

Weitere Informationen:

www.forum-erleben.at

www.un.org/en/events/disabilitiesday

www.un.org/sustainabledevelopment/sustainable-development-goals

[Foto: Forum Erleben]